Venus

 
  Venus ist der zweite Planet sowie der sechstgrößte des Sonnensystem. Sie kommt auf ihrer Umlaufbahn der Erdbahn am nächsten und hat fast die gleiche Größe wie die Erde. Nach dem Mond ist sie das hellste, nicht künstlich erschaffene Objekt am Nachthimmel. Da die Venus als einer der inneren Planeten morgens und abends am besten sichtbar ist und nie gegen Mitternacht, wird sie auch Morgen- beziehungsweise Abendstern genannt. Sie erreicht einen maximalen Abstand von 47 Grad von der Sonne. Dies entspricht am Himmel etwa 5 Faustbreiten Abstand von der Sonne.  
 
Sichtbarkeit am Morgen   Sichtbarkeit am Abend
  venus
Venus in größter westliche Elongation am 8. Januar 2011 mit 47 Grad   Venus in größte östliche Elongation am 1. November 2013 mit 47 Grad
  Bahndaten im Vergleich zur Erde:  
 

Planet

Entfernung zur Sonne in Mio.-km

Entfernung zur Sonne in Lichtmin.

Umlaufdauer
in Tage

Venus

108

6

225

Erde

150

8

365

 
  Daten über den Planeten selbst im Vergleich zur Erde:  
 

Planet

Äquatordurchmesser in km

Masse

Rotationszeit am Äquator

Venus

12 400

0,8

  243 Tage

Erde

 12 756

1

23h 56min


Die Rotationszeit der Venus wurde mittels Radar von der Erde aus bestimmt.
 
 

Beobachtung der Venus:

 
 

Die Abbildung zeigt Venus auf ihrem Weg um die Sonne.

 
  Die Fotomontage, links, der Venusbilder wurde von Sylvia Kowollik mit einem 8“ Newton-Spiegelfernrohr aufgenommen. Sie zeigt die Venus von ihrer östlichen  Elongation (1), über die untere Konjunktion (2), - dort findet gelegentlich ein Venustransit statt - bis zur westlichen Elongation (3).
Kurz vor und nach der unteren Konjunktion, wenn die Venus zur Erde einen geringen Abstand hat, strahlt sie in ihrem größten Glanz. Sie ist sehr hell, da die schmaler werdende Sichel größer wird.
 
 

Daten zur Sichtbarkeit von Venus:

 
 

östliche
Elongation
1

untere
Konjunktion
2

westliche
Elongation
3

obere
Konjunktion
4

abends

hinten der Sonne

morgens

vor der Sonne

12.1.2017

25.3.2017

3.6.2017

9.1.2018

17.8.2018

 

6.1.2019

 

 
  Das Bild unten von Venus wurde von einer Raumsonde aufgenommen. Von der Erde aus kann sie nie als Scheibe gesehen werden, man kann nur die beleuchtete Sichel (wie beim Mond) beobachten. Die Sichelform der Venus ist nur im Fernrohr zu erkennen. Der obere Rand hat einen roten Saum, der untere einen blauen, bei der Beobachtung mit dem Feldstecher ist es umgekehrt. Die Ursache hierfür ist die stärker Beugung des blauen Lichts in der Erdatmosphäre.
Die Venus kann nur in einer Sichelform beobachtet werden, denn je voller die Venus ist, umso näher steht sie bei der Sonne. Im Gegensatz zu Mond und Merkur, besitzt die Venus eine Atmosphäre. Dadurch wird an den Spitzen der Sichel der leuchtende Teil verlängert. Man spricht von den Sichelhörnern der Venus. Dieses Phänomen können wir im September beobachten, wenn die Venussichel schmal wird.
 
  venus  
 

10 ungewöhnliche Fakten über Venus

 
 
  1. Vulkane auf Venus: Astronomen kennen über 1600 Vulkane auf Venus Oberfläche. Wissenschaftler glauben, dass die meisten inaktiv sind.
  2. Ein Venustag dauert 243 Erdtage, dagegen ist ein Venusjahr kürzer als 224 Erdtage.  
  3. Venus ist der Planet, der der Erde von allen Planeten am ähnlichsten ist. Beide besitzen eine dichte Atmosphäre mit Wolken und die Oberfläche beider Planeten ist relativ Jung.  
  4. Die Oberfläche von Venus ist brütend heiß. Die Atmosphäre besteht aus Kohlendioxid (96,5%), ein Treibhaus-Gas. Dadurch betragen die Temperaturen 470 Grad.
  5. Auf ihrer Oberfläche herrscht ein extremer Druck. Er entspricht dem Druck auf der Erde in 1000 Meter Wassertiefe, oder dem neunzig fachen des Luftdrucks auf Meeresniveau.
  6. Venus läuft innerhalb der Erdbahn um die Sonne und kann deswegen die Sonne kreuzen, sie also überqueren (Transit)
  7. Venus leuchtet von allen mit freiem Auge sichtbaren Planeten am hellsten. Ursache hierfür sind die hellen Wolken, die 67 % des Sonnenlichts zurück werfen. 
  8. Sie ist das Himmelsobjekt, welches in der Geschichte am häufigsten beobachtet wurde. Pythagoras (570-480) war der erste, der erkannte, dass der helle Morgen- und Abendstern ein und dasselbe Objekt ist.
  9. Sie ist ein sehr windiger Planet. In den mittleren Schichten ihrer Atmosphäre herrschen Geschwindigkeiten von mehr als 720 Kilometer pro Stunde, das ist mehr als in einem Tornado auf der Erde.  
  10. Da Venus innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, weist sie Phasen auf, wie unser Mond. Galileo Galilei (1564-1642) war der Erste, der diese Phasen mit seinem Fernrohr entdeckte. 
 
 

Venus Oberfläche

 
  Venus ist ständig von einer dichten Wolkendecke umgeben, deswegen leuchtet sie so hell und deswegen kann ihre Oberfläche nur mit Raumsonden erforscht werden.
Ein Querschnitt über die Jahrzehnte der Raumsonden zur Venus:
Seit den frühen 70er Jahren sind mehrere Sonden zur Venus geflogen und einige auf Ihr gelandet. Den Anfang machten die sowjetischen Sonden Venera in den Jahren 1970-iger Jahren.
 
  Venera 7 begann den Flug zur Venus am 17. August 1970. Die Landesonde von „Venera 7“ führte am 15. Dezember 1970 die erste erfolgreiche Landung auf der Venus aus. Der Abstieg zur Oberfläche dauerte 35 Minuten, wobei Daten über die Atmosphäre übertragen wurden. Nach der Landung konnten 23 Minuten lang Daten von der Oberfläche empfangen werden.  
 
Die erste Nahaufnahme der Oberfläche der Venus wurde 1975 von der Venera-9-Sonde zur Erde übermittelt.
Sie landete innerhalb eines 150 km Radius am Boden eines Hügels. Nach 15 Minuten traf ein Panorama ein. Es war das erste Bild von der Oberfläche eines fremden Planeten. Aufgenommen wurde es aus 90 cm Höhe durch ein Bullauge. Man sieht man einen 180° Streifen der Oberfläche. Das Bild zeigte eine Szene in der Geröll vorherrschte, aber wo es kaum größere Steine gibt. Viele Steine sind rund, obwohl es auf der Venus kein Wasser gibt, dafür aber Wind. 53 Minuten überlebte die Sonde in der Gluthitze der Venusoberfläche. Gemessen wurden Temperaturen von 455 Grad Celsius und ein Bodendruck von 90 Bar.


Steine am Landeplatz.


180°-Panorama

 
  1983 nahm die Sonde Venera 15 die Erforschung der Venus wieder auf und kartographierte 30% der Venusoberfläche mittels Radar.
Zwischen 1989 und 1994 erforschte die US-amerikanische Raumsonde Magellan die Venus und am 9. November 2005 startete mit Venus Express die erste europäische Weltraumsonde zur Venus.
 
 

Die Untersuchungen der Sonden und Landeeinheiten ergeben folgendes Bild der Venusoberfläche:

 
 
Die Oberfläche wird geprägt durch intensiven Vulkanismus mit großen Schwefelauswürfen und Lavaströmen sowie durch Einschlagskrater und Berge. Es gibt Hochland- und Grabengebiete. Fast 90% der Oberfläche enthalten fast 850 Krater mit Durchmessern zwischen 1,5 km und 280 km. Der Grad der Erosion lässt auf ein durchschnittliches Alter der Oberflächenformationen von nur 500 Millionen Jahren schließen. Neuere Untersuchungen von Gebirgszügen lassen auf eine Lavadicke von maximal 1 km schließen, was nicht ausreicht, um alle alten Kraterwälle zu überdecken. Daher wird auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die vulkanische Aktivität über einen Zeitraum von 2 Milliarden Jahren allmählich ausklang.   An der Oberfläche herrschen, durch den Treibhaus-Effek, Temperaturen von +464°C. Der Druck beträgt 90 bis 95 bar (Erde 1 bar), die Sichtweite beträgt bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h 3 Kilometer.
Bis in einer Höhe von 140 Kilometer besteht sie aus 96,4% Kohlendioxyd, 3,4% aus Stickstoff und 0,2% aus Edelgasen. In etwa 70 Kilometern Höhe ist die Atmosphäre auf 0°C abgekühlt. In dieser Höhe gefrieren Wasser und Kohlendioxyd zu Eis und Schnee, und es bildet sich eine dicke Wolkendecke. Diese Wolken, Schwebeteilchen und Staub verschlucken 97,5% des Sonnenlichts auf seinem Weg bis zur Oberfläche. Der Himmel auf der Venus erscheint tiefrot.
 
 

Die japanische Raumsonde Akatsuki wurde im Mai 2010 gestartet und erreichte die Venus im Dezember. Wegen eines Defekts im Triebwerk ging die Sonde in eine Sonnenumlaufbahn. Aufgabe der Raumsonde ist unter anderem, die Venus im infraroten Spektralbereich zu überwachen.

 
 

Auf dem Sonnenorbit kann Akatsuki alle 203 Tage, während eines Vorbeiflugs, die Venus erkunden. Bei einer Annäherung im Dezember 2015 konnte man auf einer IR-Aufnahme  (Bild rechts) eine interessante Struktur erkennen.   
Venus Rotationsachse ist um 177 Grad geneigt. Das bedeutet Venus rotiert rückläufig, also nicht wie die Erde von Ost nach West, sondern von West nach Ost. Die Sonne geht auf der Venus also im Westen auf. Dabei ist ihre Achse um 3 Grad geneigt.
Die bogenförmige Struktur auf dem Bild oben erstreckt sich über 10 000 Kilometer in 65 Kilometer Höhe. Sie war über mindestens vier Tage hindurch zu beobachten.
Es war ungewöhnlich, dass die Struktur ihre Lage relativ zur festen Oberfläche beibehielt. Sie stand oberhalb der größten Hochland Region mit dem Namen Aphrodite Terra.  
Die Wolkendecke rotiert in etwa fünf Tagen um den Planeten. Somit bewegen sich die Strukturen in der Wolkendecke mit rund 100 Meter pro Sekunde oder 360 Kilometer pro Stunde relativ zur Oberfläche. Warum aber hielt sich die riesige Welle über mehrere Tage an derselben Stelle relativ zum Planeten, während die Atmosphäre an ihr vorüberströmte?


Bild JAXA
 
 

Das Hochland von Aphrodite Terra erstreckt sich entlang des halben Äquators (zwischen 10° N - 20° S und 60° O – 150 ° O) und ist annähernd so groß wie Afrika. Aphrodite Terra liegt sehr viel höher über dem Nullniveau als die übrigen Regionen auf Venus. (Bei Planeten mit fester Oberfläche gilt als Nullniveau die Oberfläche des volumengleichen Rotationsellipsoides). Die Höhe über dem Nullniveau liegt zwischen 1000 und 5000 Meter.

 
   
 

Durch die Bewegung der Atmosphäre streicht Luft über die bis zu 6000 m höher gelegene Hochebene von Aphrodite Terra und fällt auf der anderen Seite wieder hinunter. Es entsteht ein Föhnsturm auf der Venus.  
Ähnlich dem Föhn bei den Alpen bildet sich auch hinter Aphrodite Terra ein Fallwild mit einer stehenden Wolke (Lentikularis wolke). 

 
     
  letztes Update 18.3.2017