Objekt des Monats
November 2010
Der goldene Henkel

 
   

Der goldene Henkel ist eine Bergkette auf dem Mond, welche den Rand einer Wallebene bildet. Wenn die Sonne auf ihren Gipfeln bereits aufgegangen ist, während die Umgebung noch im Dunkeln liegt, so ragt die beleuchtete Bergkette wie ein Henkel in die Dunkelheit. Es werden die Wallberge des Sinus Iridum beleuchtet. Mit bloßem Auge ist dieses Beleuchtungsereignis nicht zu erkennen.
Dieser Effekt tritt nur bei einer bestimmten Mondphase auf: 3 Tage und 1 bis 3 Stunden nach dem ersten Viertel. Das wird in diesem Jahr am 16. November etwa um 17:30 Uhr der Fall sein. Mondaufgang ist um 13 Uhr 56.

 
                 
        15.2.2008 Eberfing, 8"-Refraktor  
                 
 

Das Sinus Iridum liegt am nordwestlichen Rand des Mare Imbrium und hat einen Durchmesser von etwa 410 Kilometer. Die begrenzenden Berge ragen bis zu 6000 Meter über dem Kraterboden auf.
Entstanden ist es durch den Einschlag eines großen Meteoriden. Im Westen wird es von den Resten der Wallberge Montes Jura, die im Süden in den Promontorium Heraclides und im Norden in den Promontorium Laplace enden, begrenzt.
Das Becken von Sinus Iridum entstand vor der Entstehung des Mare Imbrium. In einem späteren Prozess wurden beide Einschlagbecken durch an Bodenrissen aufsteigendes Magma mit Basalten gefüllt. Der fehlende Südostrand dürfte durch eine geologische Schwächung eingestürzt und anschließend mit von Basalten bedeckt worden sein.
Die Kratergrenzen von Sinus Iridum und Mare Imbrium überdecken sich teilweise und lassen so einen Schluss auf die Reihenfolge der Einschläge zu. So muss das Sinus Iridum älter sein als das Mare Imbrium.
Auf die verschiedenen Formationen des Mondes wird in der Seite „Mond“ näher eingegangen.
Es existieren mehrere Theorien für die Entstehung des Mondes. Diese sind unter „Mondentstehung“ beschrieben.

 
 

Nahe der Südseite des Juragebirges, dem Promontorium Heraclides, landete übrigens am 17. November 1970 die sowjetische Raumsonde Luna 17 mit dem fahrbaren Laboratorium Lunochod 1 an Bord. Es war das erste Mondauto und wurde von der Erde ferngesteuert. Die Landung jährt sich also diesen Monat zum 40. mal.  (das erste US-Mondauto landete erst im Juli 1971 mit Apollo 15) Weitere Landeplätze auf dem Mond sind auf der Seite "Mond" erwähnt.

Ergebnisse

  • erfolgreicher Betrieb des Mondrovers über elf  Monate hinweg (geplant drei Monate) Es wurden 10,5 km zurückgelegt.
  • Untersuchung von über 500 Bodenstellen
  • Übertragung von 20.000 Fernsehbildern und 206 Panoramen
   Lunochod  
         
     

Wir zitieren aus dem Buch  Der verlorene Traum  von Joachim Kutzner und Kurt Kobler :
Über Fallreeps wird das Lunochod vorsichtig ausgeladen. Zwei TV-Kameras übertragen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Von der Krim aus wird der Rover gesteuert, ein fünfköpfiges Team ist dafür erforderlich.
Man muss bedenken, dass sich durch die lange Signallaufstrecke Erde -Mond -Erde (760.000 Kilometer) eine Verzögerung von 3 Sekunden zwischen dem Absenden des Befehls von der Krim und dem Ausführen auf dem Mond ergibt. In sehr kritischen Situationen, z.B. einem drohenden Sturz in einen Krater, kann LUNOCHOD automatisch stehen bleiben.
In den Mondnächten fährt der Rover zum Schutz vor der Kälte mit geschlossenem Deckel, denn die Temperatur kann bis auf - 130 Grad Celsius fallen.
Am Tage mit Maximalwerten bis zu + 150 Grad Celsius fährt LUNOCHOD mit geöffnetem Deckel, um mittels der auf der Deckelinnenfläche befindlichen Solarzellen seine Batterien aufzuladen.
Sogar eine totale Sonnenfinsternis übersteht der Achträder.
Zehn volle Mondtage ist er im Einsatz, das sind immerhin zehneinhalb Erdmonate(!), bis sich seine Spuren im Jura-Vorgebirge bei Cap Heraclides verlieren.
Ihn wieder zufinden wäre eine lohnenswerte Aufgabe für zukünftige Weltraumabenteurer!

 

Zitat aus FAZ-online
28. April 2010 
Der mit einem Laserreflektor ausgerüstete russische Mondrover Lunochod 1, der im November 1970 mit der Sonde Luna 17 auf dem Erdtrabanten gelandet war und zu dem der letzte Kontakt im September 1971 bestanden hatte, ist jetzt von Forschern der University of California in San Diego um Tom Murphy wieder aufgespürt worden. Die Wissenschaftler senden seit langem routinemäßig Laserpulse zu den Landeplätzen von Apollo 11, 14 und 15, an denen Laserreflektoren stehen.
Aus der Laufzeit bis zum Empfang der reflektierenden Signale lässt sich die Umlaufbahn des Mondes millimetergenau ermitteln. Für einige weiterführende Forschungsaufgaben benötigen die Forscher aber mindestens vier Reflektoren. Seit Jahren hilft ihnen der Laserreflektor, der von dem im Januar 1973 abgesetzten Rover Lunochod 2 mitgeführt wurde, aber bei bestimmten Sonnenständen nicht genutzt werden kann.
Seit zwei Jahren hat Murphy immer wieder versucht, Lunochod 1 zu orten, der ebenfalls einen Reflektor hat. Kürzlich ist der Rover - einige Kilometer vom vermuteten Standort entfernt - auf Bildern der Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter entdeckt worden. Sein Reflektor ist noch brauchbar; er sendet bei jedem Beschuss rund 2000 Photonen zurück, während jener von Lunochod 2 nur 750 Photonen liefert.

 
      Siehe auch Mondoberfläche